Archiv für Januar 2011

interview mit peter gingold

Ich wurde beim Interview für die „Shoah-Foundation“ von Steven Spielberg auch
gefragt: „Wie konnten Sie nur Kommunist werden?“ Und ich antwortete: Wenn
Sie sich die Welt, wie sie ist, ansehen, was alles passiert, kann ich Sie nur
zurückfragen: Wie kann man da nicht Kommunist sein? Es gibt nichts anderes:
Barbarei oder Kommunismus, was soll ich sonst auf eine solche Frage antworten?
Die ganzen Ex-Kommunisten sind für mich wirklich ein Phänomen. Ich kenne
viele, die aus der DKP ausgetreten, aber Kommunisten oder Linke geblieben sind
– da hat es keinen Bruch gegeben. Aber die ehemals überzeugten Kommunisten,
die heute von einer „Jugendsünde“ reden – ich kann das nicht nachvollziehen, wie
man aufhören kann. Es geht nicht um die Parteimitgliedschaft, sondern darum,
etwas für die ganze Menschheit zu wollen. Niemand kann sagen, wie das gehen
kann, es gibt nur die Gewißheit, das nichts so bleibt, wie es ist. Die Dinge ändern
sich, und wenn nur welche da sind, die noch etwas wissen, wird die Idee zur
materiellen Gewalt. Meine wichtigste Lebenserfahrung ist die verzweifelte
Situation 1940/41 – über die wir sprachen –, in der ich dachte, der Genosse will
den Meereswogen Einhalt gebieten, weil es in der Wirklichkeit keinerlei
Anhaltspunkte dafür gab, daß die Deutschen irgendwann verlieren könnten; aber
der Tag der Befreiung kam doch.

komplettes interview auf isf
interviewer war tjark kunstreich

revalerstraße

fotografiert von ysawK

das jüngste gewitter

genialer film. surral, zynisch, ein gericht beim biertrinken, szenen aus göteburg, alltag, wahnsinn, kapitalistische tristesse. dazu vom letzten geld des monats lidl-bier trinken: unvergesslich.

wiki:
http://de.wikipedia.org/wiki/Das_j%C3%BCngste_Gewitter

film:
http://kino.to/Stream/Das_juengste_Gewitter.html

what would you do?

interessante show versucht mit zwei schauspielern und versteckten kameras herauszufinden, ob leute in der öffentlichkeit eingreifen, wenn sie zeuge homophober praxis werden:

via allophilia

ich möchte einiges anmerken:
versteckte kamera-shows oder beitrage, die mit dem ziel operieren, andere leute als unmoralische feiglinge zu überführen, so dass sich die zuschauenden selbst moralisch überlegen fühlen können, sind mir eigentlich zuwider. mit soziologischer brille ist es aber interessant zu sehen, wie die leute innerlich zwischen flucht und angriff schwanken, bis sie schließlich zu einer seite kippen.
was mich besonders genervt hat, war die ewig gleiche argumentation der eingreifenden, nämlich: er ist doch dein sohn und du bist sein vater/ seine mutter, also musst du ihn trotzdem lieben.
die vorstellung, man müsse seine nachkommen lieben, egal was sie tun, weil sie die eigenen nachkommen sind, bewegt sich gefährlich nahe an der heteronormativen schiene des „du darfst nicht schwul sein, ich will enkelkinder“ (mann will also nicht, dass die vererbungs-kette seiner guten gene abreißt)

ich hätte gerne noch gesehen:
dasselbe in dland, insbesondere in bayern (oder in der ostprovinz)
dasselbe nicht in einem teuren schicken café, wo vielleicht noch halbwegs aufgeklärte bürgerInnen abhängen, sondern in einer durchschnittskneipe
dasselbe mit lesben

aus aktullem anlass

ein artikel des gegenstandpunkts von 1991 zum umgang des verfassungsschutzes mit dem gsp/ der mg. man entdeckt doch erstaunliche parallelen mit einer gewissen heute ablaufenden „debatte“.

via neoprene

kommunismus-debatte im bundestag

ich schau mir grad auf phoenix die sogenannte kommunismus-debatte im bundestag an. eigentlich zu nichts nütze, aber teilweise erheiternd bis dreist. ich kann mich gar nicht richtig konzentrieren, weil gerade der aabgeordnete der grünen quatscht. bisherige highlights:

wolfgang thierse hat gerade das marx-zitat:

„Der Kommunismus ist für uns nicht ein Zustand, der hergestellt werden soll, ein Ideal, wonach die Wirklichkeit sich zu richten haben [wird]. Wir nennen Kommunismus die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt.“

als beweis dafür verwendet, dass der kommunismus eben nicht ein ziel in weiter ferne sei, sondern es ihn sehr real gegeben hätte.

noch dreister war der abgeordnete der fdp, leider habe ich seinen namen nicht mehr im kopf, der sagte, der kommunismus behandle die menschen nicht gleich, wie die fdgo, sondern teile sie in zwei klassen, ein herrschende und eine beherrschte. das kann doch nicht einfach dummheit sein, das ist doch absichtliche frechheit? jeder sozialkundelehrer wüsste es doch besser.
weiter hinten behauptet er dann, der kommunismus würde nicht funktionieren. wenn der kommunismus aber eine brutale diktatur ist, funktioniert als solche doch super?
als gegenwartsbeispiele nennt er neben den üblichen verdächtigen weißrussland und venezuela…

christoph bergner, cdu, stellt hingegen richtig fest:

„der kommunismus ist nicht die gesellschaft des grundgesetzes und wer wege zum kommunismus sucht, der sucht wege aus dem grundgesetz und der braucht sich nicht zu wundern, wenn das verfassungsgericht ihn daran hindern will.“

iris gleicke, spd redet leider nur die gleichen phrasen nochmal nach und ist außerdem sehr sehr nervig.
außerdem:
„diese dabatte verhöhnt alle menschen, die diese welt wirklich ein klein wenig besser machen wollen.“

jetzt halt ichs nicht mehr aus, ich mach lieber den fernseher aus, rauche eine und schraub möbel auseinander

christine haderthauers sozialministerium

selten passierts, dass ein ministerium auf länderebene, in dem fall bayern, soviel meiner aufmerksamkeit auf sich zieht. aber über dieses lassen sich gleich mehrere ekelhaftigkeiten aufzählen. bekannt geworden, ist haderthauer mit ihren äußerungen zum hungerstreik in bayrischen flüchtlingssammelunterkünften sowie ihrer weigerung mit den streikenden zu reden.
eine andere blüte aus dem hause haderthauer war die kürzlich anfechtung des usk urteils „ab 18″ für dead space 2 (dazu muss man wissen, dass computerspiele ohne usk siegel nicht verkauft werden dürfen.)
es gibt auf der seite des sozialministeriums die lustige kampagne was spielt mein kind inkl. genialem werbeclip, in dem sich ein urbayerischer junge auf dem bauernhof beim spielen mit einer axt den schädel spaltet. das interessante daran ist: er verletzt sich gerade, weil er kein computerspiel spielt, sondern mit einer axt auf dem bauernhof. ist das niemandem aufgefallen? man muss fast meinen, computerspiele könnten kindern in regressiven verhältnissen im bayerischen hinterland das leben retten.


Was spielt mein Kind – MyVideo

auch noch eine härte: es steht die warnung darunter, der clip sei nicht für kinder unter 12 jahren geeignet.
ansonsten besteht die seite leider komplett aus binsenweisheiten („schauen sie, was ihr kind spielt!“) und viel zu vielen fotos von haderthauer.

wieder ein etwas relevanterer punkt: das sozialministerium finanziert ein museum für „heimatvertriebene“ sudetendeutsche.

ich warte gespannt auf neue ideen und sprüche.

das leben in berlin (vor- und nachteile)

via kunstlehrerin

vintage-sexism a la dr. oetker

geklaut von mädchenblog

relaunch

nach langer zeit gibts mal wieder einen eintrag.
da ich nicht mehr in münchen, sondern in berlin wohne, ist als erste amtshandlung im neuen jahr der untertitel entfernt worden. ob ich ihn zu „gegen berlin und umgebung“ ändern sollte? aber ich mag berlin ja schon recht gern, bloß die umgebung nicht. nun, mir fällt sichr noch was ein.

ein paar sachen:

ganz nützlich für die grad ablaufende „kommunismus-debatte“ ein süßes plakat der jungle world

im gleichen kontext bin ich auf ein großartiges buch gestoßen: „das andere gesicht des karl marx“ von richard wurmbrand. dabei begeben wir uns auf eine spannende reise in marxens satanisches leben. so heißt es z.b.:

Alle aktiven Satanisten haben ein zerrüttetes Privatleben.
Dies trifft auch für Marx zu.

[…]

Er lebte vom Betteln bei Engels. Er
hatte ein uneheliches Kind mit seinem Dienstmädchen.
Später schob er das Kind Engels zu, der diese Komödie
mitspielte. Er war aber auch ein starker Trinker.

[…]

Rolv Heuer beschreibt die verheerende finanzielle
Lebensweise von Marx in „Genie und Reichtum“. „Als er
Student in Berlin war, erhielt der Sohn von Papa Marx
700 Taler als jährliches Taschengeld.“Das war eine
enorme Summe, da zu jener Zeit nur fünf Prozent der
Bevölkerung ein Jahreseinkommen von über 300 Talern
hatte. Im Laufe seines Lebens erhielt Marx von Engels
ungefähr sechs Millionen französische Francs (Zahlen
aus dem Marx-Lenin-Institut).

[…]

Marx war ein hochkarätiger Intellektueller. Engels
ebenso. Aber ihre Korrespondenz ist voller Obszönitäten,
was für diese Gesellschaftsschicht ungewöhnlich ist.
Schmutzige Wörter sind überall zu finden, und es gibt
keinen einzigen Brief, aus dem man einen Idealisten über
seine humanistischen oder sozialistischen Träume sprechen
hört.

[…]

Da die satanistische Sekte hochgeheim ist, haben wir
nur Hinweise auf die Möglickeit einer Verbindung von
Marx zu ihr. Sein wirres Leben ist vielleicht ein weiteres
Glied in der bis jetzt untersuchten Beweiskette.

so weit so amüsant. als es dann immer dreister zum antisemitismus-“vorwurf“ überging, hatte ich keine lust mehr, habe aber mal testweise einige angebliche zitate gegoogelt. ergbnis: alles bullshit. außer in dem buch tauchten sie ledeglich in einem blog auf (der korrektheit halber sei er angegeben: nachrichtenbrief.wordpress.com). dort ist gibts z.b. folgende analysen der marxschen wertlehre:

Bei Marx handelt es sich beim Tauschwert einer Ware um das Verhältnis des in Zeitmaßen seiner verausgabten Arbeitskraft gefaßten Abstraktums eines Produzenten zur abstrakten Gesamtarbeit gespiegelt im Verhältnis von Dingen. Für die Orgonomie ist der Tauschwert eine konkrete Funktion des orgonotischen Kontakts des Bedürfnisses mit dem Arbeitsprodukt bzw. des Konsumenten mit dem Produzenten. Also ein „ungespiegeltes“ bioenergetisches Verhältnis: die Dinge haben schlicht den Wert, den man ihnen beimißt. Letztendlich ist der Wert, ähnlich wie in der Liebe (Genitale Umarmung), eine Funktion der kosmischen Überlagerung und orgonotischen Erstrahlung. Der Mechano-Mystiker Marx geheimnist in dieses einfache biologische Geschehen etwas hinein – um dann eine Rechtfertigung für dessen Zerstörung zu haben (ähnlich wie der Katholik etwas „Geistiges“ in die Sexualität hineingeheimnist, um sie dann im Namen der „Liebe“ abzuwürgen).

und zu guter letzt gibt es jetzt noch

10 gründe, warum der kommunismus schlecht für uns ist