Archiv für Oktober 2011

fundstücke aus dem kf I

ich hab mal was aus dem alten kf rausgekramt, was eigentlich immer, aber gerade auch mal momentan wieder, super passt. vom user pro_kommunismus:

Vorbemerkung: Ich führe jetzt mal nicht den Beweis, warum die Schädigung der übergroßen Mehrheit im Kapitalismus notwendig ist, warum es keinen kapitalistischen Reichtum ohne Massenarmut geben kann. Das ist an anderer Stelle hinlänglich geschehen. Wer’s wissem will kann ja nachfragen.

0. Du sagst:

„Der GSP macht andere Fehler, er kann zum Beispiel nicht erklären, warum er die Schädigung denn nun abschaffen will.“

Der Schaden IST der Grund ihn nicht zu wollen.
Warum will man wohl einen Schaden loswerden und das System dass ihn systematisch hervorbringt? WEIL(!) es ein notwendiger Schaden ist. Einen Schaden nicht zu wollen ist eine Tautologie, denn sonst wäre er ja wohl kein Schaden. Ist der Schaden Notwendigkeit, ist man gegen das was diese Notwendigkeit hervorbringt (den Kapitalismus). Gegen zufällige Schädigungen (man verpasst eine Stufe und bricht sich ein Bein) kann man nichts machen, gegen systematische wie den Kapitalismus schon.

Notwendiger Schaden IST also ein hinlänglicher Grund und das gibts du selber zu, sonst würdest du nicht von Schaden reden.
Was du einforderst ist eine verrückte, filosofische Meta-Ebene. Der Schaden ist dir nicht Grund genug gegen ihn zu sein, da bräuchte es noch ein höheres Prinzip dahinter gegen das man sein könnte. Aber warum sollte man auf die verrückte Idee kommen, seine Gegnerschaft zu seinem Schaden durch etwas ganz anderes als den Schaden selbst begründen zu wollen? Man leidet doch an dem Schaden und nicht an einem fehlenden SINN.

1. Die Notwendigkeit der Schädigung der Interessen der Eigentumslosen durch den Kapitalismus zu erklären, das ist das ganze schlichte politische Programm das ich anrate (so sehr es sich auch manchmal in fieseligen Randbereichen von Geschäft, Gewalt und Unsinn herumtreibt): Den Leuten erklären, warum Kapitalismus nicht ohne Armut, Elend, Gewalt und Verblödung zu haben ist, warum der Kapitalismus deshalb nicht zum angenehmen Leben hin reformierbar ist, warum man deshalb mit seinen Prinzipien (also vor allem dem Privateigentum) brechen muss.
Wenn man das allerdings einfach nur behauptest, dass der Kapitalismus schlecht für die meisten ist, dann glaub das erstmal kein Mensch, denn es wäre dann ja auch bloss eine Behauptung, die man grundlos teilen müsste.
Deswegen muss man den Leuten die Notwendigkeit der Armut im Kapitalismus beweisen. Das erfordert Wissen um die Notwendigkeiten des Kapitalismus, also Wissenschaft, etwa das Studium des Kapitals. Und aus keinem anderen Grund als der revolutionären Absicht betreiben ich und andere diese Wissenschaft und ihre Verbreitung. Wenn wir irgendwann mal Kommunismus haben, dann rühre ich jedenfalls keine blauen Bände, keinen Hegel und keine kritik bürgerlicher Wissenschaft mehr an, sondern arbeite meine 3 Stunden und lege mich den Rest des Tages in die Sonne. Und die ganzen kommunistischen Schriften landen im Museum und dienen allenfalls dem Privatspass historisch interessierter Menschen.

2. Um eines in dem Zuge noch mal klarzustellen, weil es oft missverstanden wird, auch wenn es eigentlich nicht misszuverstehen ist, wenn man unsere Texte kennt:
Wenn wir sagen, dass im Kapitalismus Armut NOTWENDIG ist, dann wollen wir nicht damit sagen, dass es zum Kapitalismus keine Alternative gäbe, sondern dann meinen wir dass das eine VERNICHTENDE Kritik des Kapitalismus ist. Wenn Sachen im Kapitalismus NOTWENDIG sind, dann wird man sie nur los, wenn man den Kapitalismus abschafft, das ist die Aussage und die Aufforderung eben das zu tun. Für alle die ein schönes Leben wollen gibt es KEINE ALTERNATIVE zur kommunistischen Planwirtschaft und damit zu deren Mittel: der sozialen Revolution.

3. Wer sich an seinem Schaden stört, dem können wir helfen ihn korrekt zu erklären. Wer GEIL darauf ist, sich kaputt zu machen, dem können auch wir nicht helfen. Ich glaube aber, dass der Mensch, der sich seinen Schaden richtig erklärt hat und TROTZDEM geil darauf ist, Leid zu erfahren, ein absoluter Exot ist. Von solchen Leuten lasse ich mich jedenfalls nicht aufhalten. Im Kommunismus können wir denen ja ein Reservat schaffen, wo sie sich den ganzen Tag geißeln können. Aber ich will das gar nicht ausmalen, weil das eine Fiktion ist.

4. Die Meinung, dass die Leute ihren Schaden WOLLEN ist ein Fehlschluss, der daher rührt, dass man selber ein paar Gründe weiss, warum der Schaden z.B. der Lohnarbeit nicht notwendig ist, sondern bloss von dem Interesse herrührt, einen Menschen als variables Kapital fungieren zu lassen, also geldwerte Leistung aus ihm herauszuquetschen. Und dann fragt man sich, warum die Leute so blöd sind sich ausbeuten zu lassen, hält sie also für dumm und unpolitisch – anstatt sich die Frage vorzulegen, auf Grund welcher Überlegungen sie sich den Laden gefallen lassen – und ihnen diese Argumente dann kaputt zu machen, weil man weiss worin sie verkehrt sind.
Den Schaden spürt ein jeder, nur erklären tun sich die Leute alles falsch. Jeder Arbeiter jammert darüber, wie übel ihm auf der Arbeit mitgespielt wird, aber er wird darüber selten zum Systemgegner, weil er die Systematik die seinen Schaden verursacht nicht hinterschaut. Er erklärt sich die Sache nicht NICHT, sondern FALSCH, z.B. indem er sich seinen Schaden mit Sündenböcke erklärt, also als einen Schaden der nicht im System liegt sondern in Menschen die böse sind oder an ihrer Aufgabe versagen (z.B. ein übellauniger Meister, die Ausländer, Ackermann’s Habgier und tausend Sachen mehr).

5. Deshalb muss man solche Mitmacher nicht als perverse Selbstquäler beschimpfen, sondern sollte ihnen die objektiven Gründe, warum Leute wie sie blöd aussschauen im Kapitalismus ERKLÄREN. Ob sie das dann einsehen oder nicht, hat man nicht in der Hand, aber das ist kein Grund es zu lassen, weil der Kapitalismus verschwindet ja nicht dadurch, dass man keinen Erfolg mit kommunistischer Agitation hat und nur weil es den scheiss Kapitalismus gibt ist man ja dagegen und will was dagegen machen, also aus ganz eigenen Einsichten, die sich an der Meinung anderer nicht relativieren.

6. Weil das alles Wissen um den Kapitalismus unterstellt und es bisher nur ein kleines Häuflein kommunistischer Kritiker gibt, die die Welt nicht alleine aus den Angeln heben können sondern erst Leute überzeugen müssen, was wiederum Wissenschaft unterstellt, darum ist der wissenschaftliche Kommunismus das Gebot der Stunde. Leute hingegen, die mit 100 Anhängern den Generalstreik planen, machen was verkehrt.

sozialpartner unter sich

hier wohn ich

:D

communism is back

but not in germany

die deutsche revolution hat ihr manifest

die deutsche occupy-bewegung hat ein google-pad mit forderungen veröffentlicht, das vor staatsbürgerdenken, antisemitismus, verschwörungstheorien und ahnungslosigkeit über die kapitalistische logik nur so strotzt.

alle hervorhebungen sind von mir.

in der präambel wird ein unglaublich revolutionäres konzept der versammlungsfreiheit gefordert, das auch vor schrecklich undeutscher grammatik nicht zurückschreckt:

„es [das Versammlungsrecht] muss unabhängig von Grünflächen und Entscheidungen von Polizeieinsatzleitern gelten, für jeden deutschen Bürger. Friedlicher, passiver Protest ist vor den Staatsorganen zu schützen.“

weiter gehts mir verschwörungstheorie. die deutschen hätten ja gar keine verfassung, die werden immer noch fremdbestimmt von den bösen besatzern:

„Warum wird die Verfassungsfrage nicht gestellt? Merkt keiner, dass wir in Wirklichkeit keine Verfassung besitzen?“

weiter gehts mjir der dummen, aber immerhin harmlosen forderung:

„Es sollte grundsätzlich nicht möglich sein, mit Geld oder Währungen zu handeln! Geld sollte lediglich den Status als Tauschmedium haben.“

lustig, dass sie natürlich die antwort auf die frage, was denn der unterschied zwischen tauschen und handeln sei, schuldig bleiben.

weiter gehts mit handfestem antisemitismus und sehnsucht nach einer starken zentralgewalt:

„Geldschöpfung muss in staatlicher Hand sein, Abschaffung der Rothschild-Zentralbanken!“

nochmal der wunsch nach der starken hand:

„Erst wenn das Recht Geld zu schöpfen wieder in die Hände des Volkes (vertreten durch den Bundestag) gegeben wird, und nichtmehr von privaten Institutionen betrieben wird, hört die Staatsschuld auf und der Staat erhält seine Souveränität zurück!“

es ist schauderhaft, wenn man sich ausmalt, was passieren würde, wenn diese leute wirklich an die macht kommen könnten.

wer keine wertschöpfung betreibt und sich an der volksmasse vergeht, kommt in die wüste:

„Consulting-Frmen – welche sich auf Kosten Benachteiligter fortlaufen OHNE tatsächliche Wertschöpfung bereichern in die Wüste schicken. a.la. L.r. Hubbard der Sientologe?? (das hat Deutschland nicht nötig!)“

jetzt wird tacheles geredet, das deutsche volk mussen endlich von den besatzungsmächten befreit werden:

„Unterzeichnung eines Friedensvertrags! Herstellung der Souveränität Deutschlands! Nationalismus hilft der Menschheit nicht weiter. Mit Nationalismus hat es nichts zu tun. Wir sind noch von den Amerikanern besetzt, genauso wie die DDR von der Sowjetunion besetzt war. geht’s noch?“

das machwerk endet mit dem denkwürdigen satz, den ich als einzigen unterschreiben kann:

„deutschland? schönes land wenn die augen geschlossen sind“

mal ehrlich, arab und co, wenn nazis solche sachen fordern, dann stellt ihr euch ihnen in den weg, aber bei so einem mist macht ihr mit?

diese forderungen sind so scheiße wie der geist, der sie hervorbringt.

deutsche revolutionen verhindern! hammer und sichel für den deutschen michel!

police

Der poststrukturelle Feminismus und seine seltsamen Blüten

Eine kleine Kritik an dem Text „Ana­ly­se fe­mi­nis­ti­scher Ge­ne­ra­tio­nen mit Bei­spie­len aus „Men­schen bei Maisch­ber­ger“

Angefangen hab ich die Auseinandersetzung mit dem Text aufgrund einer persönlichen Diskussion. Da es aber inzwischen recht umfangreich geworden ist, stelle ich es hier rein. Fortsetzung folgt.

Grundsätzlich:

Die ganze Herangehensweise geht immer so, allen als Opfern identifizierten (Migranten, Frauen etc.) besondere Ehrentitel zu verliehen und immer genau aufzupassen, dass man sie auch ja nicht durch Sprache diskriminiert. „Men­schen mit kon­stru­ier­tem Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund“ Was soll das denn heißen? Was ist denn daran konstruiert? Jemand wandert z.B. nach Deutschland ein (nichts anderes heißt migrieren nämlich) und bekommt hier Kinder, die haben dann einen Migrationshintergrund. So what? Man kann auch Ausländer oder sonstwas sagen, das Ding ist, dass jedes neue Wort sofort eine negative Konnotation bekommt, früher oder später, weil diese Menschen real schlechter gestellt sind und das ist mit so einer Sprachregelung nicht zu beheben. Dazu müssen die materiellen Reproduktionsbedingungen der Gesellschft umgestürzt werden.

Dazu ein Zitat vom GSP 4-06:

Der Leserbrief spricht eine Schwierigkeit an, mit der wir zu tun kriegen und umgehen. Die Sprache der Politik ist moralisch verseucht, Wörter für Rassen, Völker und soziale Stände ganz besonders. Das Politisieren ist und wird verstanden als eine Sphäre des Rechtens und Parteinehmens: Wer sich zu Wort meldet, will das Recht oder Unrecht eines Standes oder nationalen Kollektivs verkünden, also seiner Parteilichkeit Gehör verschaffen; Leser und Hörer suchen ihrerseits nach Erkennungsmerkmalen der Parteilichkeit, um zu wissen, woran sie mit einer Wortmeldung sind. Schön zirkulär vergleichen sie die entdeckte Parteilichkeit eines Autors mit den eigenen sympathisierenden Vorurteilen oder Antipathien und finden dementsprechend die Stellungnahme gelungen oder unmöglich. Schon durch die gewählte Kennzeichnung der diversen Kollektive signalisieren Autoren Achtung oder Verachtung für die damit Bezeichneten; schon daraus erkennt das Publikum den vertretenen Standpunkt. Das gezielt eingesetzte Schimpfwort oder die ehrende Benennung ersetzen bzw. sind häufig das ganze Urteil. Wer z.B. den Unternehmer Kapitalist nennt, gibt sich als Kritiker der besitzenden Klasse zu erkennen, der er die Ausbeutung der Arbeitskräfte unterstellt; wer den Kapitalisten Unternehmer nennt, gibt seine Wertschätzung der wichtigen Rolle dieser Spezies zu Protokoll, von deren Tatkraft das ganze Gemeinwesen abhängt; wer ihn schließlich Arbeitgeber nennt, anerkennt die soziale Rolle der Profitmacherei ausdrücklich im Namen der davon abhängigen Arbeitskräfte. Mit der Wortwahl ist alles gesagt – und alles verstanden. 

Weiter im Text:

„Alle an­de­ren sind weiß“ Da hör ich einen Vorwurf raus und der heißt: hier ist nicht jedes Kollektiv gleichermaßen vertreten. Und weil es nicht um die Klärung von Sachfragen zu gehen scheint, sondern darum, dass jeder und jede seine und ihre Opferperspektive vorbringt, herrscht ein Ungleichgewicht. Dass Zwangskollektive nichts gutes sind, hat die Autorin (?) irgendwie begriffen, aber davon Abstand nehmen will sie nicht.

„das he­ge­mo­nia­le Ver­hal­ten der an­de­ren Frau­en damit zu einem gro­ßen Teil von ihrem Weiß-​sein be­stimmt.“

Wieder dasselbe. Was sie gesagt haben, wird nicht inhaltlich widerlegt, sondern wird von ihrem Weiß-sein bestimmt (biologisch oder wie? Und auch wenn sozial: eine brutale Art, dem Menschen seine Fähigkeit abzusprechen, denken zu können und frei zu sein)

Ich könnte jetzt noch tausend andere Stellen zitieren, das Muster ist immer dasselbe. Die Argumentation von Şahin könnte z.B. von Rassismuserfahrungen bestimmt sein. Von Erfahrungen wird nichts bestimmt, denn ein und diesselbe Erfahrung kann zu ganz verschiedenen Einsichten führen. Deswegen ist es auch ein klassischer ML-Fehler, zu meinen, wenn die Leute erstmal streiken und Erfahrungen mit Repression machen, werden sie zu Kommunisten.

So kommt nie und nimmer eine gute Diskussion heraus, wenn niemand ernst genommen wird mit seiner Position, sondern immer gesagt wird: das hat der/die als Frau/ Migrant/ Arbeiter usw. gesagt.

„Ich habe mich dazu ent­schlos­sen, die jun­gen Fe­mi­nis­tin­nen un­ab­hän­gig von ihrer Haut­far­be dar­zu­stel­len und die an­de­ren Ge­ne­ra­tio­nen als weiß zu be­nen­nen.“

Schon wieder eine brutale Einsortierung. Bei den einen ist mir die Hautfarbe egal, die anderen sind weiß. So geht positiver Rassismus. Das ist genau diesselbe Tour wie wenn ein Deutscher von einem Verbrechen, dass von mir aus jemand mit arabischem Background begangen hat, sagt: Aha, war ja wieder klar, die Araber! Wohingegen er bei einem Deutschen nie auf die Idee kommen würde, zu sagen: War klar, die Deutschen!

Was soll eigentlich dieser Begriff ‚people of colour‘? Da schwingt doch die Unterstellung mit, die einen haben ne Farbe (schwarz und zudem, um nicht zu diskriminieren nehmen wir die gelben Chinesen noch dazu, oder wie?) und die anderen nicht (und damit sind sie eigentlich die normalen, die adjektivlosen).

So, nachdem jetzt alle Teilnehmerinnen richtig sortiert sind und jeder alle Vorurteilsstandpunkte kennt (alt, jung, schwarz, weiß, sogar „älter“, was ein Zitat unterstellt, als ob Alice Schwarzer gar nicht objektiv älter wär als Şahin, sondern dass nur eine Zuschreibung wäre), geht es um das erste wichtige Thema, nämlich Kleidung:

Sich zu kleiden wie man möchte, ist ein vernünftiges Anliegen, das wird niemand bestreiten. Aber darum geht es der Autorin nicht, sie fordert Respekt ein. Passt wieder wunderbar in die ganze Tour: trete anderen nicht zu nahe, gib ihnen nette Namen (regelmäßig neue, denn die nutzen sich schnell ab), und behandle sie ihrem Stand entsprechend. Damit ist sichergestellt, dass Arbeiter, Migranten, Frauen und andere Diskriminierte und ihrem Diskriminiertsein gut behandelt werden, aber genau das für immer bleiben. Das ist eine bürgerliche Gutsherrenmentalität sondergleichen.

Nächstes Thema Porno-Debatte:

„Es geht nicht darum, wer Recht hat. Es geht darum, wie mit Po­si­tio­nen An­de­rer um­ge­gan­gen wird.“ Wieder dasselbe. Bloß nicht streiten, sondern Respekt haben. Bürgerlicher Meinungspluralismus as its best. Dabei ist die Definition, die Schwarzer von Pornos hat tatsächlich falsch. Es gibt ja einfach faktisch Pornos, wo ihre Definition von „ver­harm­lo­sen­de oder ver­herr­li­chen­de, deut­lich er­nied­ri­gen­de se­xu­el­le Dar­stel­lung von Frau­en oder Mäd­chen in Bil­dern und/oder Wor­ten“ einfach nicht stimmt. Aber statt darüber zu reden, ob das stimmt, wird gesagt: etwas definieren ist verboten (egal obs stimmt), denn das untergräbt ja wohl die Definitionen von anderen. Am Schluss von solchen Forderungen kommt übrigens immer raus: der Status Quo bleibt erhalten. Du willst Kommunismus? Naja kannst du schon meinen, aber bitte anerkenne doch, dass ich als Kapitalist das gerade nicht mag. Oder noch krasser: Du willst Feminismus? Ok, aber anerkenne bitte, ich ALS heteresexueller Mann, der Pornos und Bier mag, das nicht gut finde.

Ich überspringe die nächsten Einteilungen.

„Für uns ist „Schei­ße“ was für die äl­te­ren wei­ßen Fe­mi­nis­tin­nen und die wei­ßen Fe­mi­nis­tin­nen der Zwi­schen­ge­ne­ra­ti­on „bes­ser“ ist.“

Ja, das kommt eben daher, wenn man alles relativ und nicht objektiv sieht. Bürgerlicher Rechtsstaat ist doch besser als Faschismus usw. Vergleiche taugen eben nicht dazu, etwas zu beurteilen.

„Wenn also Şahin Kraus dafür kri­ti­siert, dass sie die Ob­jek­ti­vie­rung ihres Kör­pers als Sub­jekt zu nut­zen weiß, sieht Şahin eben nicht die Er­run­gen­schaft des selbst­be­stimm­ten und macht­vol­len Um­gangs mit dem ei­ge­nen Kör­per. Sie sieht den ge­sell­schaft­li­chen Um­gang mit Frau­en­kör­pern, der klas­si­fi­ziert, ob­jek­ti­viert und sich an Män­nern aus­rich­tet. Dass Kraus über ihre Klei­dungs­wahl selbst­be­stimmt über die me­dia­le Se­xua­li­sie­rung und Ob­jek­ti­fi­zie­rung ihre Kör­pers ent­schei­den kann, ist eine Ver­bes­se­rung – eine Ver­bes­se­rung am Müll­berg.“

Das ist richtig. Etwas auszunutzen ist eben etwas ganz anderes als zu meinen, es wär gut. Sonst würde man es nutzen und nicht ausnutzen.

„Wir brau­chen un­se­re Kraft, um die Ar­beit fort­zu­set­zen, den Müll­berg ab­zu­tra­gen, eine Ge­sell­schaft zu er­schaf­fen, die nicht nur bes­ser ist, son­dern so ist, wie die Frau­en­be­we­gung sie seit Ge­ne­ra­tio­nen ge­wollt hat.“

Ich möchte am liebsten laut schreien: ja, dann tu es bitte!

Bevormundung:

Erst wird angekündigt, es soll erklärt werden, was Bevormundung ist und prompt danach heißt es: es sind zwei ganz verschiedene Sachen (nämlich Methode und Einstellung). Das ist unsauber. Die Sache, die etwas hervorbringt ist nicht dasselbe wie die Sache.

„Be­vor­mun­dung be­dingt, ob ich es für eine gute Idee halte, an­de­ren Frau­en zu sagen, wie sie leben sol­len.“

Wieder: die Bevormundung wird als Grund für etwas anderes (ob eine Idee für gut befunden wird) benannt, aber nicht erklärt, was Bevormundung ist. Kaum versucht die Autorin andere von der Richtigkeit ihrer Meinung zu überzeugen, hat sie das ungute Gefühl, sie würde jemanden bevormunden. Bevormundung ist etwas ganz anderes, nämlich wenn man FÜR andere spricht und nicht, wenn man ihnen sagt, was sie tun sollen.Wieso sollte überhaupt jemand auf die Idee kommen zu meinen, er müsste anderen sagen, wie sie zu leben oder was sie zu tun hätten?
Beispiel: Wenn ich feststellen würde, alle außer ich sind mit dem Kapitalismus voll zufrieden, dann würde ich echt sagen müssen: ok, dann wird das auch nichts. So ist es aber gar nicht. Dass die Leute keinen Aufstand machen, liegt überhaupt nicht daran, dass sie mit ihrer Lage zufrieden wären, sondern dass sie sich die Lage falsch erklären. Deshalb ist es der Job von Kommunisten, den Leuten ihre Lage zu erklären.
Im Prinzip gilt dasselbe für alle anderen Gruppen, die im Kapitalismus schlecht wegkommen, auch für Frauen: ich glaube nicht, dass Frauen mit ihrer Stellung (insbesondere in Nicht-EU-Ländern) sonderlich zufrieden sind. Nur erklären sie sich das falsch, z.B. mit ‚das ist halt von Natur aus so‘ oder ‚das hat Gott so gewollt‘ oder ‚Männer sind einfach Schweine‘ usw. Leuten zu erklären, welche Gründe z.B. hinter Vergewaltigungen, schlechteren Bezahlungen usw. stehen, ist überhaupt keine Bevormundung, sondern tut not.

Der Bundestrolljaner, eine Sternstunde demokratischer Selbstentlarvung

Der Laden (Deutschland) hat ein Problem. Teile des von ihm beherrschten Wahlvolks vertrauen ihm nicht. Weit kleinere wollen ihm sogar den Garaus machen. Das kann er natürlich nicht so ohne weiteres auf sich sitzen lassen. Zum demokratischen Normalvollzug gehört deswegen dazu, dass er mit Verfassungs- und Staatsschutz, Polizei, Streetworkern, BND usw usf einen ganzen Haufen Mechanismen installiert und/oder unterhält, die den Menschen beibringen, wie man sich zu verhält, sie beobachten, ob sie sich tatsächlich so verhalten und einschreiten, wenn sie es nicht tun. Regierung stürzen ist verfassungswidrig. Mit der steigenden Verinternetlichung sozialer Beziehungen muss sich auch die staatliche Prävention und Repression verinternetlichen. Analogue natives, die sie sind, geht der politischen Klasse das nicht allzu leicht von der Hand. Dankenswerterweise greift dann ein Gericht ein, erhebt tadelnd das BGB und gibt Hinweise, wie man die Bürger_innen im 21. Jahrhundert richtig gängelt. Die Bürger_innen, ganz dem Staat ergeben, bedanken sich ganz freundlich beim Bundesverfassungsgericht und sind sich nicht zu schade, es mit Lob und Lorbeeren zu überschütten. Nun heißt ein Gerichtsurteil alleine natürlich noch lange nicht, dass sich alle Beteiligten daran halten. Und die staatliche Repression hat noch immer nicht das Maß ohnmächtiger Freude gegenüber der Rechtssprechung gezeigt, die die Idealist_innen jener Institution an den Tag legen. Jüngstes Beispiel ist der sogenannte Bundestrojaner (für nähere Informationen besuchen Sie bitte irgendein Nachrichtenportal).Dieser kann ausspionieren, was ein Mensch an seinem Computer so alles macht. Und das weit über die höchstrichterlich angeordneten Befugnisse hinaus. »Skandal!« schreit der bildungsbürgerlich vorverdummte Klerus der Internetgemeinde und alle machen sie mit. Wenn der Staat seine Bürger_innen schon überwacht, und das ist in diesem Skandalruf mit abgesegnet, dann bitte rechtsstaatlich! Wie bitte? Der eigentliche Skandal ist doch, dass überhaupt überwacht wird. Der eigentliche Skandal ist doch, dass es einen Staat gibt, der mit allerhand Gewaltmitteln die Leute in Schach hält, ihnen eine Wirtschaftsordnung aufherrscht, die für die Meisten bittere Armut und Elend bedeutet. Der Skandal ist nicht wenn der Staat sich nicht an die, gnädigerweise gewährten, eigenen Beschränkungen hält. Das ist nicht das Ende der Demokratie, nicht das Ende der Verfassung, die durch die Brutalabstraktionen von Freiheit und Gerechtigkeit Armut für die Meisten und Reichtum für die wenigsten festschreibt. Das ist nicht mehr als ein blöder Betriebsunfall einer Regierung, die zu dämlich ist, das Spiel der demokratischen Charaktermasken jenseits der Lächerlichkeit zu spielen.Ein alternativer Skandalvorschlag wäre, dass sie dich kritisch wähnende Masse an digital natives tatsächlich zu Helfer_innen der Herrschaft macht und sich anbietet ihr zu helfen ihre Überwachung mit ein bisschen mehr Raffinesse durchzuexerzieren. Ein alternativer Skandalvorschlag wäre die Ausbeutung der Arbeitskraft. Die verherrende Wirkung der globalisierten Konkurrenz auf Mensch und Umwelt. Abschiebungen, die Sortierung des Menschenmaterials in nutzbar und unnütz. Die Existenz von Armut und Reichtum. Das Privateigentum an Produktionsmitteln. Aber das muss euch ja nicht interessieren, Hauptsache die ganze Scheiße bleibt verfassungskonform.

Von: http://radiofreemoscow.soup.io

marxistische puppe

weena morloch für den kommunismus

herz und faust