Archiv für November 2011

kulturkanal

heute: neurofunk und drum‘n'bass

music that makes you crip walk in a deer skin robe in a lightning storm

ableitung der krümmung der banane

von dr. röhrig (gsp): klick

heute im kulturkanal

∆AIMON – amen from ∆AIMON on Vimeo.

Deutschlandlied

Ein Gedicht von von Wolf Wondratschek. Aus aktuellem Anlass.

„In gewissen Dingen sind wir der Welt eben doch überlegen“ -
das war auf einem Cocktail,
der eine hatte den ganzen Nietzsche gelesen,
der andere ist nur noch privat ein Nazi,
Musikliebhaber, etwas Deutsches
wie Tierliebe und Menschenhaß,
dieser Fleiß im Denken, im Töten -
jeder Hund, der hungrig über eine leere Straße schleicht,
würde das Leben soviel schöner machen
als dein nagelneuer Mercedes.

Nein, danke,
ihr Deutschen,
ihr Kerkermeister des Profits,
ihr Profis des Stumpfsinns,
ihr Erzengel aus Kruppstahl,
ihr Mitbestimmungsehepaare,
ihr Fachleute für perfekte Schrauben,
satt und selbstgerecht,
beseelt nur von Tatsachen,
welch ein Volk,
wie sauber die Mülltonnen,
wie abgesucht die Nacht,
wie böse.

Ich habe die Lust verloren an deutscher Lebensfreude,
an den Treibjagden der Logik,
dem Ordnungssinn eurer Gefühle,
dem Efeu von Angst und Größenwahn,
dem Mondschein,
der Himmelfahrt vom Gebirge
bis in die Tiefebene,
ihr, die ihr nicht begreift,
daß jeder Mensch eine Mehrheit ist,
ein anderer, noch anonymer Kosmos
oder ein paar weiße Schaukeln oben im Wind,
der hart gegen Fabriken schlägt.

Ich will dem, was ich liebe, keine schönen Namen geben.
Ich lese Majakowski – auf der Suche nach einem Volk.
Ich lese Pablo Neruda – auf der Suche nach einem Volk.
Ich liebe Lorca’s Liebe.
Ich tausche euch jeden Tag ein
gegen mein Leben.

Aber die Welterfolge des Westens langweilen mich.
Mir sind hundert kleine Gauner lieber
als dieses Ensemble aus Butter und Theorie,
die Gattin,
der Ehemann,
das Unterbewußtsein halb geöffnet,
selbstgemalte Aquarelle,
ein Negerschwanz aus der Hölle,
das ganze fursiose Atomzeitalter.
Ein vergammeltes Café am Ende der Welt
hat mehr zu bieten,
nichts klappt,
die Gegenstände haben Tauschwert,
etwas Primitives wie Licht und Luft,
die Vernunft kehrt aus den Köpfen heim
in die Körper.

Ich bin kein Fremder, wo ich nie war.
Ich trinke mich nur manchmal müde
auf halbem Weg von hier nach da.
Aus keinem Ventilator kommt der Wind,
den ich brauche.

Ich fühl mich wie der letzte Dreck,
der letzte Mann an Deck eines Schiffes,
das immerzu untergeht.

Ihr könnt mir die Eier betätscheln,
ihr deutschen Urlauber,
ihr Überheblichkeitsmenschen,
ich sag ganze Landstriche häßlich werden,
ich sah euch auf ein fremdes Lächeln einreden
und die Welt beherrschen.
Der deutsche Geist – zusammengeschweißt
an Blut und Boden.
„In gewissen Dingen sind wir der Welt eben doch überlegen“ -
nein, danke.

Ich ging nachhause. Das Leben errinerte mich
an einen Witz, den ich vergessen hatte.

Die Häuser standen da, vom Schlaf bewohnt.
Ein Vogel fiel in die Allee.
Die Schaukeln schlugen knarrend ins Leere.
Ein Hund schlich vorbei.

Anklänge an tiefere Gesänge…

helden sterben nie

kulturkanal

achtung, extrem verstörend:


fundstücke aus dem diskussionsforum kapitalismuskritik

Dann muß man sich damit anlegen, wo die Mächtigen dieser Welt, die G8, wo die überhaupt die Quellen ihrer Macht und ihrer Unverschämtheit her haben. Die Antwort darauf heißt: Sie verfügen über ein kapitalistisch eingespanntes und kapitalistisch mitmachendes Volk. Das ist die Quelle ihrer Unverschämtheit! Infolgedessen geht für die Aufgabenstellung nichts drum herum: Man muß hierzulande die zu ihrem eigenen Schaden bei diesem kapitalistischen demokratischem Zirkus mitmachenden Leute dazu bringen – oder erst mal den Versuch dazu unternehmen – die davon abzuhalten, diesen schädlichen Scheiß mitzumachen. Das ist ganz entschieden etwas anderes, als – wie diese Gipfelleute da – zu sagen, die Welt ist Scheiße, aber genau diese Welt, die so Scheiße ist, die könnte mit unseren Verbesserungsvorschlag wunderbar sein! Das ist der Menschheit Sand in die Augen gestreut, das ist die Verbreitung von ganz üblen Illusionen in die Verbesserungsfähigkeit von diesem blöden Laden und ist nach der Seite hin wirklich das Gegenteil der politischen Aufgabe, die gestellt ist – momentan, wo es keine Barrikadenkämpfe und Klassenkämpfe gibt – der Kampf ums Bewusstsein von jedem, der mir „vor die Flinte läuft“. Also Aufklärung! (Lachen und Erstaunen im Saal) Das nehme ich mit dem Ausdruck höchsten Bedauerns zurück, ist mir so rausgerutscht. …

Schluß mit diesen Zuständen! Diese Zustände verdienen politische Anstrengungen, die auf nichts anderes zielen als ihre Abschaffung! Diese Interessen, die da am Werke sind, mit ihren Gewaltmitteln, denen muß das Handwerk gelegt werden! …

Unsere 10 Gebote, die gehen ein klein wenig anders. Damit können wir nicht dienen zu sagen: Ich hab jetzt den Hebel und das Patentrezept des „Praktischen“ in der Hosentasche! Nein, unser Angebot, unser Vorschlag für Politisieren, der geht halt ein klein wenig anders:

Das Erste ist, man muß sich klar machen, worum es in der Welt überhaupt geht.

Das Zweite ist, man muß sich die eigenen Illusionen über die Vereinbarkeit [der eigen Ziele und Bedürfnisse] mit den wirklichen Gesetzen dieser Welt abschminken.

Und das Dritte ist: Man muß sich Rechenschaft ablegen über die Gründe dieses Systems und die Weisen seines Funktionierens.

Das Vierte ist: Man muß aus all dem den bestimmten politischen Willen fassen, daß es unter dem Ziel der Abschaffung von diesem Laden einfach nicht getan ist. Daß alles Andere sich was vormacht, was darunter hergeht. Das alles Andere eine verkehrte und politisch mindestens unwirksame und höchstens fatale wirkende einlullende Affäre ist, die sich davor drückt, sich einzugestehen, dass es unter Kapitalismuskritik einfach nicht geht.

Und Fünftens dann: Sollte man sich, wenn es geht, vielleicht haben wir da heute ein paar Angebote machen können, fit machen, argumentativ fit machen, für die Auseinandersetzung mit den Leuten, die das immer noch anders sehen.

Das wäre unsere Agenda. Wenn wir da genug Leute auf unserer Seite haben, dann kann man, du weißt schon …!