Archiv der Kategorie 'allgemein'

Deutschlandlied

Ein Gedicht von von Wolf Wondratschek. Aus aktuellem Anlass.

„In gewissen Dingen sind wir der Welt eben doch überlegen“ -
das war auf einem Cocktail,
der eine hatte den ganzen Nietzsche gelesen,
der andere ist nur noch privat ein Nazi,
Musikliebhaber, etwas Deutsches
wie Tierliebe und Menschenhaß,
dieser Fleiß im Denken, im Töten -
jeder Hund, der hungrig über eine leere Straße schleicht,
würde das Leben soviel schöner machen
als dein nagelneuer Mercedes.

Nein, danke,
ihr Deutschen,
ihr Kerkermeister des Profits,
ihr Profis des Stumpfsinns,
ihr Erzengel aus Kruppstahl,
ihr Mitbestimmungsehepaare,
ihr Fachleute für perfekte Schrauben,
satt und selbstgerecht,
beseelt nur von Tatsachen,
welch ein Volk,
wie sauber die Mülltonnen,
wie abgesucht die Nacht,
wie böse.

Ich habe die Lust verloren an deutscher Lebensfreude,
an den Treibjagden der Logik,
dem Ordnungssinn eurer Gefühle,
dem Efeu von Angst und Größenwahn,
dem Mondschein,
der Himmelfahrt vom Gebirge
bis in die Tiefebene,
ihr, die ihr nicht begreift,
daß jeder Mensch eine Mehrheit ist,
ein anderer, noch anonymer Kosmos
oder ein paar weiße Schaukeln oben im Wind,
der hart gegen Fabriken schlägt.

Ich will dem, was ich liebe, keine schönen Namen geben.
Ich lese Majakowski – auf der Suche nach einem Volk.
Ich lese Pablo Neruda – auf der Suche nach einem Volk.
Ich liebe Lorca’s Liebe.
Ich tausche euch jeden Tag ein
gegen mein Leben.

Aber die Welterfolge des Westens langweilen mich.
Mir sind hundert kleine Gauner lieber
als dieses Ensemble aus Butter und Theorie,
die Gattin,
der Ehemann,
das Unterbewußtsein halb geöffnet,
selbstgemalte Aquarelle,
ein Negerschwanz aus der Hölle,
das ganze fursiose Atomzeitalter.
Ein vergammeltes Café am Ende der Welt
hat mehr zu bieten,
nichts klappt,
die Gegenstände haben Tauschwert,
etwas Primitives wie Licht und Luft,
die Vernunft kehrt aus den Köpfen heim
in die Körper.

Ich bin kein Fremder, wo ich nie war.
Ich trinke mich nur manchmal müde
auf halbem Weg von hier nach da.
Aus keinem Ventilator kommt der Wind,
den ich brauche.

Ich fühl mich wie der letzte Dreck,
der letzte Mann an Deck eines Schiffes,
das immerzu untergeht.

Ihr könnt mir die Eier betätscheln,
ihr deutschen Urlauber,
ihr Überheblichkeitsmenschen,
ich sag ganze Landstriche häßlich werden,
ich sah euch auf ein fremdes Lächeln einreden
und die Welt beherrschen.
Der deutsche Geist – zusammengeschweißt
an Blut und Boden.
„In gewissen Dingen sind wir der Welt eben doch überlegen“ -
nein, danke.

Ich ging nachhause. Das Leben errinerte mich
an einen Witz, den ich vergessen hatte.

Die Häuser standen da, vom Schlaf bewohnt.
Ein Vogel fiel in die Allee.
Die Schaukeln schlugen knarrend ins Leere.
Ein Hund schlich vorbei.

Anklänge an tiefere Gesänge…

„junge polizei“ fordert mehr personal

update 2

update: da das ganze doch etwas wirbel verursacht hat, hat die junge polizei die bilder vom netz genommen und sich entschuldigt. wer sie noch sehen möchte: klick

und zwar mit folgender kampagne:

danke y.!

rest

kein kommentar

:D

ohne worte

so geil, der kommentator.

kommunismus

wer utopie findet, darf sie behalten.

via communisme

interview mit peter gingold

Ich wurde beim Interview für die „Shoah-Foundation“ von Steven Spielberg auch
gefragt: „Wie konnten Sie nur Kommunist werden?“ Und ich antwortete: Wenn
Sie sich die Welt, wie sie ist, ansehen, was alles passiert, kann ich Sie nur
zurückfragen: Wie kann man da nicht Kommunist sein? Es gibt nichts anderes:
Barbarei oder Kommunismus, was soll ich sonst auf eine solche Frage antworten?
Die ganzen Ex-Kommunisten sind für mich wirklich ein Phänomen. Ich kenne
viele, die aus der DKP ausgetreten, aber Kommunisten oder Linke geblieben sind
– da hat es keinen Bruch gegeben. Aber die ehemals überzeugten Kommunisten,
die heute von einer „Jugendsünde“ reden – ich kann das nicht nachvollziehen, wie
man aufhören kann. Es geht nicht um die Parteimitgliedschaft, sondern darum,
etwas für die ganze Menschheit zu wollen. Niemand kann sagen, wie das gehen
kann, es gibt nur die Gewißheit, das nichts so bleibt, wie es ist. Die Dinge ändern
sich, und wenn nur welche da sind, die noch etwas wissen, wird die Idee zur
materiellen Gewalt. Meine wichtigste Lebenserfahrung ist die verzweifelte
Situation 1940/41 – über die wir sprachen –, in der ich dachte, der Genosse will
den Meereswogen Einhalt gebieten, weil es in der Wirklichkeit keinerlei
Anhaltspunkte dafür gab, daß die Deutschen irgendwann verlieren könnten; aber
der Tag der Befreiung kam doch.

komplettes interview auf isf
interviewer war tjark kunstreich

aus aktullem anlass

ein artikel des gegenstandpunkts von 1991 zum umgang des verfassungsschutzes mit dem gsp/ der mg. man entdeckt doch erstaunliche parallelen mit einer gewissen heute ablaufenden „debatte“.

via neoprene

kommunismus-debatte im bundestag

ich schau mir grad auf phoenix die sogenannte kommunismus-debatte im bundestag an. eigentlich zu nichts nütze, aber teilweise erheiternd bis dreist. ich kann mich gar nicht richtig konzentrieren, weil gerade der aabgeordnete der grünen quatscht. bisherige highlights:

wolfgang thierse hat gerade das marx-zitat:

„Der Kommunismus ist für uns nicht ein Zustand, der hergestellt werden soll, ein Ideal, wonach die Wirklichkeit sich zu richten haben [wird]. Wir nennen Kommunismus die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt.“

als beweis dafür verwendet, dass der kommunismus eben nicht ein ziel in weiter ferne sei, sondern es ihn sehr real gegeben hätte.

noch dreister war der abgeordnete der fdp, leider habe ich seinen namen nicht mehr im kopf, der sagte, der kommunismus behandle die menschen nicht gleich, wie die fdgo, sondern teile sie in zwei klassen, ein herrschende und eine beherrschte. das kann doch nicht einfach dummheit sein, das ist doch absichtliche frechheit? jeder sozialkundelehrer wüsste es doch besser.
weiter hinten behauptet er dann, der kommunismus würde nicht funktionieren. wenn der kommunismus aber eine brutale diktatur ist, funktioniert als solche doch super?
als gegenwartsbeispiele nennt er neben den üblichen verdächtigen weißrussland und venezuela…

christoph bergner, cdu, stellt hingegen richtig fest:

„der kommunismus ist nicht die gesellschaft des grundgesetzes und wer wege zum kommunismus sucht, der sucht wege aus dem grundgesetz und der braucht sich nicht zu wundern, wenn das verfassungsgericht ihn daran hindern will.“

iris gleicke, spd redet leider nur die gleichen phrasen nochmal nach und ist außerdem sehr sehr nervig.
außerdem:
„diese dabatte verhöhnt alle menschen, die diese welt wirklich ein klein wenig besser machen wollen.“

jetzt halt ichs nicht mehr aus, ich mach lieber den fernseher aus, rauche eine und schraub möbel auseinander

christine haderthauers sozialministerium

selten passierts, dass ein ministerium auf länderebene, in dem fall bayern, soviel meiner aufmerksamkeit auf sich zieht. aber über dieses lassen sich gleich mehrere ekelhaftigkeiten aufzählen. bekannt geworden, ist haderthauer mit ihren äußerungen zum hungerstreik in bayrischen flüchtlingssammelunterkünften sowie ihrer weigerung mit den streikenden zu reden.
eine andere blüte aus dem hause haderthauer war die kürzlich anfechtung des usk urteils „ab 18″ für dead space 2 (dazu muss man wissen, dass computerspiele ohne usk siegel nicht verkauft werden dürfen.)
es gibt auf der seite des sozialministeriums die lustige kampagne was spielt mein kind inkl. genialem werbeclip, in dem sich ein urbayerischer junge auf dem bauernhof beim spielen mit einer axt den schädel spaltet. das interessante daran ist: er verletzt sich gerade, weil er kein computerspiel spielt, sondern mit einer axt auf dem bauernhof. ist das niemandem aufgefallen? man muss fast meinen, computerspiele könnten kindern in regressiven verhältnissen im bayerischen hinterland das leben retten.


Was spielt mein Kind – MyVideo

auch noch eine härte: es steht die warnung darunter, der clip sei nicht für kinder unter 12 jahren geeignet.
ansonsten besteht die seite leider komplett aus binsenweisheiten („schauen sie, was ihr kind spielt!“) und viel zu vielen fotos von haderthauer.

wieder ein etwas relevanterer punkt: das sozialministerium finanziert ein museum für „heimatvertriebene“ sudetendeutsche.

ich warte gespannt auf neue ideen und sprüche.

relaunch

nach langer zeit gibts mal wieder einen eintrag.
da ich nicht mehr in münchen, sondern in berlin wohne, ist als erste amtshandlung im neuen jahr der untertitel entfernt worden. ob ich ihn zu „gegen berlin und umgebung“ ändern sollte? aber ich mag berlin ja schon recht gern, bloß die umgebung nicht. nun, mir fällt sichr noch was ein.

ein paar sachen:

ganz nützlich für die grad ablaufende „kommunismus-debatte“ ein süßes plakat der jungle world

im gleichen kontext bin ich auf ein großartiges buch gestoßen: „das andere gesicht des karl marx“ von richard wurmbrand. dabei begeben wir uns auf eine spannende reise in marxens satanisches leben. so heißt es z.b.:

Alle aktiven Satanisten haben ein zerrüttetes Privatleben.
Dies trifft auch für Marx zu.

[…]

Er lebte vom Betteln bei Engels. Er
hatte ein uneheliches Kind mit seinem Dienstmädchen.
Später schob er das Kind Engels zu, der diese Komödie
mitspielte. Er war aber auch ein starker Trinker.

[…]

Rolv Heuer beschreibt die verheerende finanzielle
Lebensweise von Marx in „Genie und Reichtum“. „Als er
Student in Berlin war, erhielt der Sohn von Papa Marx
700 Taler als jährliches Taschengeld.“Das war eine
enorme Summe, da zu jener Zeit nur fünf Prozent der
Bevölkerung ein Jahreseinkommen von über 300 Talern
hatte. Im Laufe seines Lebens erhielt Marx von Engels
ungefähr sechs Millionen französische Francs (Zahlen
aus dem Marx-Lenin-Institut).

[…]

Marx war ein hochkarätiger Intellektueller. Engels
ebenso. Aber ihre Korrespondenz ist voller Obszönitäten,
was für diese Gesellschaftsschicht ungewöhnlich ist.
Schmutzige Wörter sind überall zu finden, und es gibt
keinen einzigen Brief, aus dem man einen Idealisten über
seine humanistischen oder sozialistischen Träume sprechen
hört.

[…]

Da die satanistische Sekte hochgeheim ist, haben wir
nur Hinweise auf die Möglickeit einer Verbindung von
Marx zu ihr. Sein wirres Leben ist vielleicht ein weiteres
Glied in der bis jetzt untersuchten Beweiskette.

so weit so amüsant. als es dann immer dreister zum antisemitismus-“vorwurf“ überging, hatte ich keine lust mehr, habe aber mal testweise einige angebliche zitate gegoogelt. ergbnis: alles bullshit. außer in dem buch tauchten sie ledeglich in einem blog auf (der korrektheit halber sei er angegeben: nachrichtenbrief.wordpress.com). dort ist gibts z.b. folgende analysen der marxschen wertlehre:

Bei Marx handelt es sich beim Tauschwert einer Ware um das Verhältnis des in Zeitmaßen seiner verausgabten Arbeitskraft gefaßten Abstraktums eines Produzenten zur abstrakten Gesamtarbeit gespiegelt im Verhältnis von Dingen. Für die Orgonomie ist der Tauschwert eine konkrete Funktion des orgonotischen Kontakts des Bedürfnisses mit dem Arbeitsprodukt bzw. des Konsumenten mit dem Produzenten. Also ein „ungespiegeltes“ bioenergetisches Verhältnis: die Dinge haben schlicht den Wert, den man ihnen beimißt. Letztendlich ist der Wert, ähnlich wie in der Liebe (Genitale Umarmung), eine Funktion der kosmischen Überlagerung und orgonotischen Erstrahlung. Der Mechano-Mystiker Marx geheimnist in dieses einfache biologische Geschehen etwas hinein – um dann eine Rechtfertigung für dessen Zerstörung zu haben (ähnlich wie der Katholik etwas „Geistiges“ in die Sexualität hineingeheimnist, um sie dann im Namen der „Liebe“ abzuwürgen).

und zu guter letzt gibt es jetzt noch

10 gründe, warum der kommunismus schlecht für uns ist

ein wallpaper

es ist ja bald weihnachten. das könnte ihr ja dann euren verwandten zeigen oder so. ich habs sogar selbst gemacht, fast:

klick