Archiv der Kategorie 'theorie'

Sternstunden kommunistischer Propaganda

Alle Vorträge der „Sternstunden kommunistischer Propaganda“-MP3-CDS von argudiss gibt es auf Anfrage und der besseren Zuganglichkeit halber jetzt auf archive

Euro-Rettung – der Kampf der Weltmächte um ihr Geld

Es gibt bereits einen Mitschnitt der gestrigen Veranstaltung

Marxismus und bürgerliche Wissenschaft

Zu Unrecht sehr unbekannter Vortrag aus dem Jahre 1990 von Karl Held

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Aus: Sternstunden kommunistischer Propaganda I

Gegen „klassismuskritische“ und soziologische Sprachhygiene

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Aus dem Vortrag http://doku.argudiss.de/?Kategorie=all#187

Was ist ein Arbeitsmarkt?

Schon bei der Konsumptionssphäre ist die Vorstellung vom Markt, auf dem die Käufer und Verkäufer aufeinandertreffen und sich bei einem Optimalpunkt treffen, ideologisch und falsch. Es gibt keinen Punkt an dem die Interessen von Käufer und Verkäufer gleichermaßen zur Deckung kommen können. Der Verkäufer möchte nämlich möglichst viel Geld für seine Ware bekommen, der Käufer möglichst wenig bezahlen. Der Punkt an dem sie sich treffen ist im Normalfall auch nicht verhandelbar, sondern man geht in den Laden und hat z.B. die Wahl zwischen dem Plastikkäse für 1,70€ oder dem Qualitätsprodukt von der Theke. Nun ist es nicht so, dass man das Bedürfnis, das man gerade eher verspürt (Schrott oder gute Ware), zum Zug kommen lassen kann, sondern nur die Möglichkeit bleibt für das, wofür gerade noch Geld da ist. Der Punkt, an dem sich Käufer und Verkäufer angeblich treffen ist das Ergebnis der Erpressung, die über den Wert der Ware läuft.
Beim Arbeitsmarkt verhält es sich nochmal extremer. Hier ist der Kapitalist Anbieter und Nachfrager in einer Person. Er schafft die Arbeitsplätze, wenn sie sich für ihn lohnen und bestimmt zu welchem Preis sie sich für ihn lohnen. Wenn der Nachfragende (also der Arbeitssuchende) meint, er müsste mehr bekommen, stellt ihn der Kapitalist nicht ein. In der Regel gehen dem Kapitalisten billige Arbeitskräfte auch nicht aus. Passiert es tatsächlich einmal (Wirtschaftsboom), dass eine Vollbeschäftigung beinahe zustande kommt, sorgt der Staat dafür, dass ausreichend neue Arbeitskräfte (als sog. Gastarbeiter) ins Land kommen. Hier liegt übrigens einer der Gründe, wieso Nazis meinen, die Ausländer würden ihnen die Arbeit wegnehmen.

Edit: um das nochmal richtig abzugrenzen:

Die These ist die:

Der Arbeitsmarkt ist ein Markt, den das Kapital auf beiden Seiten macht. Die Nachfrage insofern als dass es Leute überhaupt entlässt, so dass sie sich um einen neuen Job bemühen müssen (oder die Ausbildung abgeschlossen haben und erstmal einen suchen müssen). Das Angebot insofern als dass es die alleinige Instanz ist, die überhaupt entscheidet, ob es im Land noch Leute braucht, die überhaupt arbeiten.
Um Missverständnisse auszuräumen. Natürlich gibt es unter den Einzelkapitalen Konkurrenz um Fachkräfte, billige Arbeiter usw. und andererseits geht auch der Arbeiter hin und sagt: ich versuch zu dem Betrieb zu gehen, der am meisten bezahlt. Ich meine aber das Gesamtkapital.

Zeitgeist

MG-Vortrag 1987

MSZ 3 – 1987

Seine Gedanken einfach dem „Zeitgeist“ zuschlagen, mag so leicht niemand. Wer läßt sich schon gerne nachsagen, unkritisch einer „weitverbreiteten Stimmungslage“ zu erliegen oder gar bloß „modisches“ Gedankengut zu vertreten? Ein aufgeklärter Bürger hängt sein Fähnchen schließlich nicht nach dem Wind und braucht zum Denken keine Anleitung. „Von gestern“ will allerdings auch keiner sein, wenn gerade „Umdenken“ angesagt ist. Wer sein Bewußtsein „auf der Höhe der Zeit“ hält, denkt mit und beweist, daß er nicht stur an liebgewordenen Denkgewohnheiten festhält…
Mit blinden Opportunisten möchten Demokraten eben nicht verwechselt werden; und damit liegen sie zumindest nicht völlig daneben. Es geht aber an der Sache vorbei, wenn sie die von ihnen geschätzte Zeitbezogenheit ihrer Anschauungen gleich für eine Eigenart des Denkens halten wollen. Wer sich ein objektives Urteil bildet, der will die Identität eines Gegenstands bestimmen, die sich durch äußere (z.B. Zeit-) Umstände gerade nicht ändert. Sein Denken ist dabei weder so frei, einmal gefundene Bestimmungen einer Sache je nach Laune oder „Zeit“ durch neue zu ersetzen, solange die alten sich nicht als Irrtümer herausgestellt haben, noch so abhängig von zeitlich verschiedenen Erscheinungsformen seines Objekts, daß sie nicht von dessen Identität unterschieden werden könnten.
Wer dagegen auf „zeitgemäßes“ Denken Wert legt, der kennt sowohl äußere Maßstäbe für das, was er eingesehen haben will, wie ihm auch Anpassung an diese Maßstäbe als Inbegriff seines Denkens gilt. Da er sich an den „Anforderungen der Zeit“ orientieren will, prüft er sie nicht, sondern gibt ihnen durch sein vorausgesetztes Bedürfnis den Schein von Objektivität. Er ist also bereit, geistig jeden Schwenk mitzumachen, wenn er seine „Zeit“ nur unter dem Gesichtspunkt einer moralischen Notwendigkeit betrachten kann. Auf Neues stellt er sich nur ein, wenn er es „eingesehen“ hat. Der Opportunismus dieses Bewußtseins ist anspruchsvoll: Er möchte Anpassung aus Freiheit sein!

Gliederung des Artikels:

1 „Zeitgeist“: Ein paar Vorbemerkungen über konjunkturgerechtes Denken
2 Von der Kritik zum Problembewußtsein
3 Vom Problembewußtsein zum haltlos-moralischen Urteil
4 Vom Verantwortungsgetue zum Selbstgefühl
5 Zeitgeist umstritten und genossen

Veranstalungshinweise Berlin

Roter Freitag: Wieder rechter Terror in Deutschland – Und wieder fallen alle aus allen Wolken 18.30 13.01.2012 BAIZ, Christinenstraße 1

Vortrag: Euro-Rettung – der Kampf der Weltmächte um ihr Geld 19:30 25.01.2012 Festsaal Kreuzberg, Skalitzerstr. 130

Edit: Es gibt zu Deckers Vortrag einen Mitschnitt http://www.archive.org/details/PeterDeckergegenstandpunktEuro-rettung-DerKampfDerWeltmchteUmIhr

Wir brauchen (k)eine Alternative!

Von der Occupy-Bewegung bis hin zu den „sozialistischen Experimenten“ Südamerikas: weltweit werden zurzeit die Stimmen laut: der Kapitalismus bringt’s nicht mehr. Er kann „seine“ Probleme nicht mehr (!) lösen, nämlich Umweltverschmutzung, „Soziale Ungleichheit“ oder Krieg um Rohstoffe (die um Menschenrechte gehen übrigens in Ordnung). In dem ganzen Diskurs, ganz besonders wenn er von oben kommt (Politiker und große Zeitungen), scheint immer wieder die verrückte Idee durch, alle Menschen hätten sich mal zusammengesetzt und gesagt: machen wir Kapitalismus. Jetzt bekommen sie langsam Zweifel, ob die Idee richtig war und protestieren dagegen. Richtig ist, dass der Kapitalismus 1. historisch äußerst brutal gegen den Willen der damaligen Bevölkerungsmehrheit durchgesetzt wurde. Bauern wurden enteignet und mussten in die großen Metropolen auf Arbeitssuche gehen, wo sie, wenn sie überhaupt eine bekamen, 14 Stunden täglich brutal ausgebeutet wurden und 2. auch heute noch gegen die Interessen der Bevölkerungsmehrheit, nämlich all derer, die kein Kapital ihr Eigen nennen und ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, mit Gewalt durchgesetzt wird.
Kürzlich bemerkte auch „Die Zeit“ das gesteigerte Interesse an „Alternativen zur Marktwirtschaft“ und gab ein großes Sozialismus-Special heraus. In diesem gibt u.a. Heinz Dieterich, seines Zeichens Berater der südamerikanischen Präsidenten Hugo Chavez, Evo Morales und Rafael Correa seine Vorstellung vom „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ zum Besten. Grundlage ist die Idee, dass die kapitalistische Produktionsweise „auf Zeit aufgebaut“ sei, denn „Eine Krankenschwester muss eine bestimmte Anzahl von Patienten in einem bestimmten Stundenrhythmus versorgen. In der Produktion am Fließband sind alle Arbeitsschritte zeitlich genau festgelegt. Die Zeiteinheit ist das entscheidende Strukturmuster für wirtschaftliches Verhalten, aber es wird dann konvertiert in monetäre Bewertung, und da tauchen alle möglichen Probleme sozialer Gerechtigkeit auf.“
Dass z.B. eine Krankenschwester eine bestimmte Anzahl an Patienten pro Stunde versorgen und der Fließbandarbeiter am Fließband auch nicht mal auf gemütlich machen kann, liegt nicht daran, dass die Zeit bestimmendes Strukturmerkmal ist, sondern dass der Kapitalist (oder auch der Staat, wenn er eine effektive Bürokratie haben will) möglichst viel von seiner Arbeitskraft haben will. Deshalb ist er in der Regel bemüht, Pausen zu kürzen, den Arbeitstag zu verlängern und zu kontrollieren, ob nicht herumgetrödelt wird. Bezahlen tut er aber die nötigen Reproduktionskosten (Nahrung, Wohnung, bisschen Erholung und Spaß vielleicht auch) für die Arbeitskraft und nicht die Zeit.
Heinz Dieterich gefällt am Kapitalismus nicht, dass die Arbeit den Wert der Produkte bestimmt, weil er irgendwie merkt, dass dann 1. Die Kapitalisten immer mehr Geld haben (weil ihnen die Arbeitskraft ja gehört) und 2. es passiert, dass nicht alle denselben Lohn bekommen, sondern dass je nach Nützlichkeit für das Kapital, verschiedene Löhne bezahlt werden. Deshalb: „Jeder soll, im Prinzip, Anspruch auf das volle Wertprodukt haben, das er erwirtschaftet. Wenn jemand 40 Stunden arbeitet, dann bedeutet das ein Anrecht auf Produkte und Dienstleistungen im Wert von 40 Stunden, die andere erwirtschaftet haben. Also statt einer Kreditkarte bekommt man eine Wertkarte, und damit geht man zum Friseur. Da werden zehn Minuten abgebucht…“ Dass soetwas wahrscheinlich auf eine staatliche Totalüberwachung hinausläuft ist klar. Es wäre nämlich äußerst verführerisch, einfach zuhause Streichholzmännchen zu bauen und zwar sehr langsam, z.B. eines pro Tag, das dann für das Zeitquantum von sagen wir 12 Stunden auf dem Markt verkauft wird. Nun wird das mit dem Friseur aber auch schwierig, weil auch der gar kein Interesse daran hat, einem die Haare gut zu schneiden, sondern nur sehr langsam. Übrigens: wer seine Ware oder Dienstleistungen aus Gründen der Konkurrenz nicht verkaufen kann, geht pleite. Same as usual.
Dietrichs Fehler besteht schließlich auch noch darin, dass er meint, in der Gesellschaft bestehe eine vernünftige Arbeitsteilung, in der nur falsch verteilt werde. Deswegen gesteht er den Chefs, die seiner Auffassung nur dazu da sind, die Produktion zu koordinieren, auch ein bisschen mehr Lohn zu: „Wenn er 40 Stunden arbeitet, wird er für 40 Stunden entlohnt. Vielleicht kriegt der noch einen Bonus, weil er die Erfahrung hat. Vielleicht zehn Prozent mehr. Wenn das erst so ist, spielt es im Grunde auch keine Rolle mehr, ob er Eigentümer ist oder nicht. Er kann eine volkswirtschaftlich wichtige Dienstleistung erfüllen, ohne schädliche private Machtanhäufung.“
Ein Unternehmer arbeitet zwar, er produziert aber nichts, inzwischen koordiniert er nichtmal mehr ansatzweise die Produktion, das machen nämlich Manager für ihn. Dietrichs Ideen sind die Sozialdemokratie wie sie vor 100 Jahren war, nur heute heißt das Sozialismus.

ableitung der krümmung der banane

von dr. röhrig (gsp): klick

helden sterben nie